Quark




Ich dachte immer, ich würde irgendwann sterben, weil mir ein im Sturm herunterfallender Dachziegel den Schädel zertrümmert. Oder weil ein Busfahrer, der am Steuer einen Herzinfarkt kriegt, an der roten Ampel nicht bremst und mich umfährt. Oder wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie mein Opa. Doch es ist nichts davon. Es sind sechs Worte, die mein Leben beenden.

„Ich habe mich in ihn verliebt“, sagt Konstantin und nimmt meine Hand, die schweißfeucht vor mir auf dem Küchentisch liegt.


Es ist Mathieu, der Assistenzarzt in der Orthopädie. Mathieu, der auf Konstantins Geburtstagsfeier meinen Linsensalat lobte. Und ich hatte mich darüber auch noch gefreut. Jetzt erzählt mir Konstantin, das mit Mathieu und ihm gehe schon seit ein paar Monaten.

„Ok“, sage ich. Mein rechtes Lid zuckt. Ich drücke es mit meinem rechten Zeigefinger zu.


Auf dem Herd sprudelt das kochende Kartoffelwasser über den Topfrand und verdampft zischend auf dem glühenden Ceranfeld. Konstantin springt auf, schiebt den Topf nach hinten und schaltet die Platte aus. Er dreht sich zu mir um.

„Ich wollte es dir schon länger sagen, aber es gab einfach nie den richtigen Zeitpunkt.“

„Und warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?“

„Weil ich Mathieu liebe und mit ihm zusammen sein will.“

„Ok. Du kannst ja weiter mit ihm schlafen.“

Konstantin schüttelt den Kopf und schaut auf den Boden. „Nein, Nico. Ich will mich von dir trennen.“


Wir essen die gekochten Kartoffeln und den Kräuterquark, der vorbereitet im Kühlschrank stand. Ich lasse ihn gerne etwas ziehen, damit der Quark die Aromen von Schnittlauch, Petersilie und Dill gut aufnimmt. Konstantin mag meinen Kräuterquark. Er fragt mich, ob ich erst mal allein sein möchte. Ich weiß es nicht.

„Glaube nicht“, sage ich und kaue, ohne zu schmecken.

Die Kartoffeln sind zu weich. Konstantin hätte das Wasser gleich abkippen sollen, nachdem er den Topf von der Herdplatte geschoben hat.

„Also, was heißt das jetzt?“, frage ich.

Ich lege das Besteck neben den Teller und verschränke die Arme vor der Brust. An meiner rechten Hand spüre ich meinen Herzschlag.

„Wir machen doch jetzt nicht Schluss, bloß weil du dich in jemanden verliebt hast.“